Kantonsstrasse Ebikon offen lassen!

Die Gemeinde Ebikon lädt ein zu einer moderierten Podiumsdiskussion ein. Im Anschluss hat das Publikum die Möglichkeit, Fragen und Anliegen mit den Podiumsteilnehmern und dem Gemeinderat zu diskutieren, wie man hier lesen kann: https://www.ebikon.ch/verwaltung/aktuelles/news/eine-ueberdachte-kantonsstrasse-im-zentrum-von-ebikon-die-oeffentliche-mitwirkung-startet

Die Ebikoner Bevölkerung soll aktiv in den öffentlichen Diskurs miteinbezogen werden: Soll die Kantonsstrasse K17 im Zentrum von Ebikon überdacht werden oder nicht? In der Vergangenheit wurde bereits eine Machbarkeitsstudie erstellt, zu der sich verschiedene Fachleute bereits geäussert haben: zusammengefasst sind deren Beurteilungen in einem Vernehmlassungsbericht.

Nun wurden die politischen Parteien, die Kirchgemeinde und der Gewerbeverein aufgefordert, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen: Die Ergebnisse aus den Diskussionen sollen in Form einer Vernehmlassung dokumentiert werden. Dabei sollen einerseits die Chancen und Vorteile und andererseits die Gefahren und Herausforderungen festgehalten werden. Und daraus abgeleitet folgt eine Empfehlung, ob die Projektidee einer Überdachung der K17 im Zentrum von Ebikon weiterverfolgt werden soll oder nicht. Die Vernehmlassung dauert bis Mitte November 2020. Übrigens hat jeder Schweizer das Recht, sich in jeder Vernehmlassung zu äussern, so auch in diesem Fall. Wer das will, der soll seine Stellungnahme an den Gemeinderat schicken.

Hier findest du das Hintergrundmaterial, um dir eine eigene Meinung zu bilden:

Hier geht’s zur Seite des Kantons betreffend Kantonsstrasse K 17: http://www.luzern-ost.ch/projekte/anpassung_und_erneuerung_kantonsstrasse_k17

Im Vernehmlassungsbericht findet sich am Ende ein gutes Hilfsmittel, um verschiedene Varianten miteinander vergleichen und die beste davon finden zu können: eine Entscheidungsmatrix. Bei wichtigen und wegweisenden Entscheidungen sollte man sich nicht nur auf sein Bauchgefühl verlassen, sondern mit dem Kopf und nachvollziehbar entscheiden: In einer Tabelle kann man einerseits die verschiedenen Varianten aufführen, andererseits wichtige Beurteilungskriterien. Dann bewertet man jede Variante und vergibt Punktzahlen z.B. von 1-10 So kann man dann alle Punktzahlen einer Variante zusammenzählen und mit denen der anderen Varianten vergleichen und erhält einen „Sieger“. Hier das Beispiel aus der Präsentation des Vernehmlassungsberichtes:

Hier wurden keine Punktzahlen vergeben, sondern bewertet (jeweilige Farbe) mit sehr gut/gut/neutral/schlecht/sehr schlecht und No-Go (für nicht realisierbar). Aus meiner Sicht trifft die Entscheidungsmatrix trifft wie hier dargestellt nicht zu. Ganz wichtig wäre es daher, allen Ebikonern nachvollziehbar zu vermitteln, warum es zu den jeweiligen Bewertungen gekommen ist. Sicher wäre da noch viel Diskussionsbedarf!

Welche Varianten werden verglichen?

  • Der jetzige Zustand der Kantonsstrasse/der Ist-Zustand.
  • Der Masterplan von 2015 (ursprünglich entworfen mit nur 2 Fahrspuren und einer Busspur) Eine verkehrlichen Analyse der Firma AKP vom Juni 2018 ermittelte, dass eine solche Fahrstreifenreduktion nicht möglich sei:
  • Projekt K 17. Dazu einige Bemerkungen: Das Strassenprojekt für K17 lag vom 15. Mai – 3. Juni 2019 zur Vernehmlassung auf. Ende Juni 2019 hat der Gemeinderat Ebikon das vom Kanton vorgelegte Vorprojekt für die Gestaltung der Ortsdurchfahrt als nicht zu unterstützen beantwortet. Warum? Keine der durch die Gemeinde formulierten Wünsche, Anregungen und Ideen sind in die Planung des Vorprojekts eingeflossen. Einige wesentliche Punkte herausgegriffen: Es ist nicht nachvollziehbar, warum auf der Kantonsstrasse K 17 im Stadtgebiet nur je ein Fahrstreifen in jede Richtung und von der Stadtgrenze bis zum Knoten Schlösslistrasse je eine Fahrspur in jede Richtung mit einem zusätzlichen Mehrzweckstreifen für die Bewältigung des Verkehrs ausreichend sein soll, im Bereich zwischen dem Knoten Schlösslistrasse bis Knoten Weichle jedoch zum Teil drei bis vier Spuren pro Richtung erstellt werden müssen. Im technischen Bericht wird von einer Projektierungsgeschwindigkeit von 50 km/h ausgegangen, eine Variante mit 30 km/h wird nicht aufgezeigt. Die Verkehrskapazität soll massiv gesteigert werden um ca 61 % von heute 17200 Fahrzeugen auf 27700 Fahrzeugen (ohne Projekt Bypass) oder auf 25600 Fahrzeuge (mit Projekt Bypass). Trotzdem handle es sich beim Strassenprojekt im lärmtechnischen Sinne um eine „unwesentliche Änderung einer bestehenden Anlage“, sodass keine weiteren lärmtechnischen oder lärmrechtlichen Massnahmen zu treffen seien. Weggelassen wurde das Thema Luftreinhaltung. Beim technischen Bericht ist ein neuer Deckbelag erwähnt, ein allgemeiner Belag, der bezüglich Lärm nur ein klein wenig besser ist als der alte, den das vif verwendet hat – anstelle eines Flüsterbelags.
  • Überdachung Zentrum Ebikon (Huwiler), siehe https://ebikon-lebt.ch/ Dessen ursprüngliche Idee wurde inzwischen angepasst: eine Überbauung der Überdachung ist vorerst nicht vorgesehen, was sich natürlich auch auf die Finanzierung auswirkt („Mehrwertausgleich“, Wirtschaftlichkeit geringer aufgrund deutlich weniger Erdgeschossen in der Flaniermeile). Die Tunnelmasse mussten angepasst werden auf eine Länge von 250 m, eine Höhe von 6,5 m (OK Fahrbahn bis OK Tunneldecke) und Breite von 21 m. Die ursprünglich im Tunnel vorgesehenen Bushaltestellen werden ausserhalb vor das Tunnelportal vorgesehen mit einer Länge von 30 m für Doppelgelenkbusse.

Hier habe ich einige kritische Bemerkungen zur geplanten Überdachung:

Hier einige Infos zum Thema Lärm: http://www.laerm.ch/de/laerm-und-ruhe/leiser-mobil-sein/gaengige-irrtuemer/gaengige-irrtuemer.html Vielleicht wären im Bereich der Tunnelportale sogar Lärmschutzwände notwendig?

Auf dem Tunneldach würde eine Fläche von 21 x 250 m = 5250 qm entstehen, etwa so gross wie ein Fussbaldfeld im Gebiet Risch. Was wollte man damit anfangen?

Hier die zusammenfassende Stellungnahme der Kommission für Ortsentwicklung, die ich gut nachvollziehen kann und die zu einem klaren NEIN zur Überdachung führt:

Die Kommission für Ortsentwicklung stellt fest:

Die ortsbauliche Integration der Überdachung wird insgesamt als problematisch beurteilt und führt eher zu einer Trennung denn zu einer Integration der Ortsteile. Die diagonal zur Kantonsstrasse ausgerichteten Tunnelportale wirken blickversperrend und trennend und erinnern im Kontext des Rontals eher an Autobahnzufahrten als an eine Flaniermeile im Dorfzentrum. Das ortsbauliche Potenzial liegt nicht in der vorgesehenen Flaniermeile, sondern eher im grosszügigen Aussenraum, welcher auf der Überdachung entstehen würde. Ob dieser Aussenraum angesichts der landschaftlich attraktiven Räume entlang der Ron oder südöstlich des Wydenhofs gefragt wären, ist aus Sicht der Fachkommission Ortsentwicklung aber fraglich. Der Raumgewinn zur Schaffung einer attraktiven Begegnungszone ist aus der Sicht der Fachkommission zu klein. Der lichte Raum der Flanierzone würde von Fassade zu Fassade nur 12 m betragen, die Besonnung wäre ungenügend. Die Aufenthaltsqualität würde durch die Befahrbarkeit mit dem MIV sowie die Kurzzeitparkierung zudem noch weiter geschmälert. Für eine attraktive landschaftliche Verbindung zum neu entstehenden Aussenraum auf der Überdachung fehle zudem der Platz.

Das Projekt wird aus denkmalpflegerischer Sicht als sehr heikel betrachtet, insbesondere in Bezug zur Kirche und zum Gebäude Dorfstrasse 2. Der Gebäudesockel der betreffenden Objekte würde unter der Oberkante der Überdeckung liegen.

Die Neubauten entlang der neu entstehenden Überdachungsmauer und auf der Überdachung führen zu einer Unterbindung des landschaftlich grosszügigen Raums im Zentrum von Ebikon. Zudem wird die Wirtschaftlichkeit der räumlich sehr knappen Erdgeschosse auf dem Niveau der Flaniermeile in Frage gestellt.

Die vorgesehene Überdachung bietet wenig Spielraum für unvorhersehbare Entwicklungen, welche beispielsweise durch neue Mobilitätsformen entstehen können. Die fixe Überdachung des Strassenraums lässt sich kaum auf künftige Bedürfnisse adaptieren.

Die Fachkommission Ortsentwicklung steht dem Projekt einer Überdachung der K 17 im Zentrum sehr kritisch entgegen. Das Projekt würde die bestehenden Probleme nur bedingt lösen und zusätzliche neue erzeugen. Insbesondere würden weder die Verkehrssituation als Ganzes noch die Integration des Dorfzentrums zu einer Begegnungszone mit Ausstrahlung verbessert. Die Kommission anerkennt aber, dass das Projekt als Kritik an der bestehenden Situation und an der projektierten Lösung des Kantons dient. Sie schlägt vor, statt dem Tunnel eine Variante für eine Strassenraumaufwertung für das gesamte Zentrum von Ebikon weiterzuverfolgen. Diese soll die Idee des Masterplans aufzeigen und den Strassenraum von der Hangkante des Moränenhügels bis zur gegenüberliegenden Fassadenflucht als baumbestandenen Aussenraum aufzeigen.

Fazit aus dem Vernehmlassungsbericht: