Partei los

Partei Los

«Los oder los?»

«Los»

« Welches Los, welches schwere Los hast du gezogen?»

«Ach was, ich bin sie los, die Parteien. Parteilos.»

Bis Oktober letzten Jahres war ich Mitglied der SP Schweiz, etwa ein Jahr lang und als Politneuling sogar mit einem Achtungserfolg belohnt, als ich bei den Kantonsratswahlen gleich den ersten Platz auf der Ersatzliste Luzern Land erreichte.

Kurz nach meinem Austritt aus der SP trat ich den Grünliberalen bei – bis zu meinem Austritt am 5.5.2020 – und hatte auch hier als Gemeinderatskandidatin immerhin die Stimme jedes fünften Ebikoners, der gewählt hatte, bekommen. Leider gab es ca 70 % Nichtwähler!

Es verbietet sich mir, über Hintergründe meiner Austritte zu berichten. Nur so viel: «es menschelt» so sehr in diesen Vereinen, wie ich es zuvor nicht für möglich gehalten hätte. Selbst als reifere Frau mit viel Lebens- und jahrzehntelanger Berufserfahrung als Ärztin und Psychiaterin wurde ich davon überrascht.

Ich kann und will mich nicht verbiegen. Ich komme nicht zurecht mit Paktieren und Taktieren in Wahlkampfzeiten.

Mir ging es immer um die Sache, um die sozialen und die grünen Themen. Die waren schon immer da, sie ziehen sich durch mein ganzes Leben. Ich wollte jetzt, in Richtung Pensionierungsalter, nicht noch eine Politkarriere starten. Wozu auch? Meine Kandidaturen waren Angebote, mich mit meinem Erfahrungswissen und meinen Talenten für ein paar Jahre in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen, mich für eine gesunde Umwelt und für ein soziales Miteinander zu engagieren. Aber dieses Angebot war nicht gefragt.

Vielleicht bin ich «zu sensibel» für die aktive Politik, wie es kürzlich Emil Steinberger in seinem Interview sagte. Sicher war und bin ich auch zu blauäugig…

In meinem Beruf als Psychiaterin komme ich nur voran, wenn es mir gelingt, Vertrauen aufzubauen. Dies setzt eine gute, offene Kommunikation voraus. Ich versuche stets, authentisch zu sein, ich selbst zu sein. Dann habe ich die Chance, mein Gegenüber zu erreichen und mich mit ihm auf den Weg zu einem gemeinsam festgelegten Ziel zu machen.

Leider ist dies in bzw. mit diesen politischen Parteien nicht gelungen. Es wird vermutlich in anderen Parteien ähnlich zugehen. Überrascht hat mich übrigens, wie nur ganz wenige, manchmal nur eine einzelne Person mit ihren Äusserungen wichtige Entscheidungen auslösen, weil die übrigen Mitglieder schweigen bzw. sich anpassen. Das ist bedenklich und vergleichbar mit dem stetig wachsenden Anteil von Wahlberechtigten, die ihr Stimmrecht nicht mehr ausüben. Da geht ein Stück Demokratie verloren.

Inhaltlich liegt mir unsere Umwelt, unsere Natur, zu der auch wir Menschen gehören, sehr am Herzen. Dafür engagiere ich mich schon seit Jahren. Ich habe im Wahlkampf versucht, dies zu veranschaulichen mit Beispielen, quasi zu belegen. Für mich zählt es nicht, wenn ein Politiker sagt, er sei «grün» oder er werde sich für diese Themen einsetzen. Wäre ich Wähler, wollte ich wissen, was er dafür schon getan hat. Und für welche ganz konkreten Vorhaben er sich einsetzen will. Hier auf Ortsebene könnten das beispielsweise die Wieder(!)einführung der Wildsträucheraktion sein, oder das regelmässige jährliche (!) Angebot eines Giftsammeltages im Rontal, oder eine 30km-Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Kantonsstrasse, oder die alsbaldige Umsetzung des Projekts Schmiedhofpark und vieles mehr.

In der SP als «ultragrün» bezeichnet, wurde ich später als GLP-Mitglied mit meiner Frage nach Wahlkampf-Unterstützung durch die Grünen abgewiesen – weil diese (nur) die SP-Kandidatin unterstützen wollten. Zu diesem Zeitpunkt lehnte auch die SP die GLP-Anfrage nach einer Zusammenarbeit ab: keinesfalls!

Gerade hatte ich im ersten Wahlgang – ohne irgendeine Unterstützung auch nicht verwunderlich   –   deutlich verloren und mich daher zurückgezogen, entstand dann plötzlich die Liste S1 – ein Zusammenschluss aus SP, Grüne und GLP.

Nun, vermutlich lag es nur an mir, dass alles so lief wie es lief….

Nun ist man mich los. Es kann wieder Harmonie einkehren in und zwischen den Parteien. Man kann die Mitte-Links-Kräfte bündeln für gemeinsame Ziele.

Schön wär’s. Nein, das ist nicht ironisch gemeint. Das wünsche ich uns allen sehr. Doch ich habe so meine Zweifel, ob das gelingen wird.

Inzwischen geniesse ich meine Parteilosigkeit. Aus entspannter Distanz beobachte ich weiterhin, was ringsum geschieht. Und wer weiss: vielleicht bin ich bereits wieder unterwegs zu einem neuen Projekt..